Anleitung zum Burn-Out: Familie und FreundeLesedauer 5 Min.

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Auf deine Familie kannst du dich immer verlassen? Und deine besten Freunde lassen dich niemals im Stich? Selbst gute Bekannte könntest du zur Not um Hilfe bitten? Dann hast du ein hartes Stück Arbeit vor dir. Denn diese menschlichen Löschfahrzeuge sorgen mit etwas Pech für einen emotionalen Schaumteppich, auf dem ein vollständiges Ausbrennen fast unmöglich ist. Aber das lässt sich glücklicherweise mit etwas Disziplin schnell ändern und die Einsamkeit wird bald dein bester Freund.

Partnerschaft: Wo die Liebe hinfällt … wächst kein Gras mehr

Lebst du noch in einer stabilen Partnerschaft? Dann wird es Zeit, sie möglichst schnell zu Fall zu bringen? Es gibt wenig, was einem auf dem Weg zum Burn-out mehr im Weg stehen kann, als ein treuer Partner oder eine liebevolle Partnerin. Zum Glück lässt sich das relativ schnell ändern. Helfen können dir dabei die vier sogenannten “apokalyptischen Reiter“, nämlich:

  1. Kritik: Daran solltest du in Zukunft nicht sparen. Es gibt sicher eine Menge Dinge, die dich an deinem Partner schon lange gestört haben. Aber falsch verstandene Toleranz und ansozialisiertes Taktgefühl haben dich bisher von einem offenen Wort abgehalten. Oder mehreren. Schluss damit. Warum muss das Geschirr immer gleich in die Maschine? Wer sagt, dass Wollpullover nicht in den Trockner dürfen? Oder das Silberfischchen nicht auch Haustiere sind? Muss ein Kühlschrank immer zum Bersten gefüllt sein, oder tun es nicht auch ein paar Spinnweben? Wer sagt, dass Frauen nicht schnarchen? Oder dass es bei ihnen besser klingt? Sei kreativ, es findet sich jeden Tag ein neuer Grund für verletzende Kritik.
  2. Verachtung: Gibt es Verhaltensweisen bei deinem Partner, bei denen du innerlich die Augen verdrehst? Sehr gut. Mit innerlich ist es in Zukunft aber vorbei. Ein Geheimtipp: Die Wirkung vervielfacht sich, wenn andere Familienmitglieder oder Freunde bei solchen Unmutsäußerungen anwesend sind. Schwiegereltern und kirchliche Feiertage haben sich aus unerfindlichen Gründen besonders bewährt.
  3. Rechtfertigung: Glaubst du, dass du in deiner Beziehung auch Fehler machst? Dann höre sofort damit auf. Verwende deine Zeit in Zukunft besser darauf, die Gründe und positiven Absichten deines Verhaltens an den Mann oder die Frau zu bringen. Du lässt die Tür offen, wenn du von der Toilette kommst? Natürlich, sonst zieht der Gestank ja nie ab. Der Schuhschrank ist zu 95 % mit deinen Schuhen gefüllt? Natürlich, Männerschuhe sehen doch sowieso alle gleich aus. Zwei Paar sind eigentlich schon zu viel, aber du hast ja schließlich ein Herz. Du trinkst jeden Abend eine Flasche Wein? Ja, aber doch nur, damit ich dein Schnarchen besser ertragen kann.
  4. Mauern: Ein altes Sprichwort lautet: Wenn man nichts Gutes über einen Menschen sagen kann, sagt man am besten nichts. Quittiere in Zukunft die Versuche deines Partners, ein Gespräch in Gang zu bringen mit eisigem Schweigen. Auf die Frage, ob etwas nicht in Ordnung sei, antwortest du am besten mit einem leicht gereizten “Alles bestens”. Oder du zitierst obiges Sprichwort, was schnell einen der weiteren drei apokalyptischen Reiter auf den Plan rufen dürfte.

Du bist wieder Single? Sehr gut, dann kümmern wir uns jetzt noch um deine Freunde und Bekannten.

Ein Freund, ein guter Freund …

… das ist in deinem Fall das Schlechteste, was es auf gibt auf der Welt. Schließlich willst du einen Burn-out und keine Disco-, Koch-, Spiele- oder Videoabende. Zum Ausbrennen braucht es Einsamkeit, Melancholie und Isolation. Ein paar einfache Tipps:

  • Absagen, absagen, absagen: Auch der treueste Freund ist irgendwann weich gekocht und wird sich anderen Menschen zuwenden, wenn du seine Einladungen nur häufig genug absagst. Wie verlockend menschliche Nähe auch sein mag: Lass die Finger davon. Die gute Nachricht: Mit fortschreitendem Burn-out wird deine Lust auf Kontakte wie von selbst verschwinden und ein sich selbst verstärkender Abwärtsspirale von Depression und Kontaktabbrüchen setzt ein.
  • Intrigen spinnen: Kennst du einige schmutzige Geheimnisse deiner besten Freunde? Dann ist jetzt der Moment gekommen, die Welt daran teilhaben zu lassen. Ein gut formulierter Post auf Facebook oder eine scheinbar versehentliche Nachricht in der falschen WhatsApp-Gruppe können da wahre Wunder wirken. Schon bald wird sich jeder deiner Freunde zweimal überlegen, ob er mit dir noch über etwas anderes sprechen will als über das Wetter.
  • Gezielt vor den Kopf stoßen: Lass dich bei aller selbst verordneten Isolation in unregelmäßigen Abständen bei Freunden und Bekannten blicken – und zeige ihnen dann, was ihnen normalerweise inzwischen erspart bleibt. Beginne den Abend möglichst schweigsam und lasse deine schlechte Laune durchblicken. Da vermutlich vor nicht allzu langer Zeit – siehe oben – deine Beziehung in Flammen aufgegangen ist, dürfte dir das auch nicht allzu schwer fallen. Fange dann im Laufe des Abends an, schnell und übermäßig zu trinken. Und durchlaufe dabei alle Phasen des rauschhaften Alkoholkonsums:
    • übermäßige Risikobereitschaft: “Ich fahre doch noch total sicher. Welche rote Ampel?”
    • übersprudelnde Energie: “Heute lassen wir es mal richtig krachen. Ich ruf alle Babysitter an und dann geht es auf die Piste.”
    • überschäumende Sentimentalität: “Ihr … ihr … seit alllllle meine besten … hick … Freunde. Ich liebe Euch soooo sehr.”
    • überirdische Trauer: “Sie … sie .. hat mich eigentlich n-n-n-nie geliebt … schluchz … Ich werde nieeeeee wieder lachen.”
    • überbordende Aggressivität: “Sch-schöne Freunde seid ihr. Euch (Faust schütteln) … Euuuuch (und noch mal) … werd ich …”
    • überfälliger Abgang: An diesem Punkt übergibst du dich auf den Fußboden und torkelst dann fluchend davon. Bis zum nächsten Anruf deiner Freunde dürfte es nun eine ganze Weile dauern.

Einsamer Cowboy

Wenn du dich an die obigen Ratschläge gewissenhaft hältst, wird dein soziales Umfeld bald dieselbe einhellige Meinung von dir haben: Wer solche Freunde hat wie Dich, braucht keine Feinde mehr.

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Achte bei Dir selbst auf einige Signale, die dir zeigen, dass das Zerschneiden deines sozialen Netzes Früchte trägt:

  • Sympathisierst du immer stärker mit Filmhelden wie Rambo, John McClane oder dem Terminator?
  • Gehst du gerne abends spazieren, besonders wenn es regnet oder noch besser: hagelt?
  • Hörst du in deinem Kopf immer öfter Songs wie “I did it my way“, “It’s Probably Me“, oder “Einsamer Cowboy“?

Glückwunsch, wieder bist du deinem Burn-out-Ziel einen gewichtigen Schritt näher gekommen. Weiter so.

Jetzt mal im Ernst

Falls du lachen musstest – großartig. Und wenn du noch mehr lachen möchtest, lies am besten die ganze Serie “Anleitung zum Burn-out“.

Wenn Du Dich dagegen jetzt fragst, wozu dieser Text gut sein soll, hier noch ein paar erläuternde Worte. Viele Menschen mit körperlichen oder seelischen Beschwerden fühlen einen gewaltigen und manchmal nur schwer zu ertragenden Leidensdruck.

Die Fähigkeit, das Leben mit etwas entspannter Abgeklärtheit und Humor zu nehmen, ist ihnen abhandengekommen. Trauer, Wut, Schmerz und Scham bestimmen große Teile ihrer Gefühlswelt. Eine Flucht in Alkohol, Drogen, übermäßiges Essen oder andere Formen falscher Ernährung ist nicht gerade selten.

Die Zahl der gelesenen Selbsthilfe-Ratgeber füllt ein halbes Bücherregal. Nur besser fühlt man sich nicht.  Im Gegenteil, die Verzweiflung steigert sich eher noch, weil man mit  den “drei Schritten zum Glück” oder den “10 goldenen Regeln zur perfekten Partnerschaft” dem Ziel eines besseren Lebens nicht einen Millimeter näher gekommen ist. Gleichzeitig fühlt man sich als Versager. Es ist doch angeblich so einfach.

Häufig beginnt der Klient dann eine Psychotherapie mit der Vorstellung , der Therapeut möge ihm nach kurzem Nachdenken über sein Problem eine Gebrauchsanweisung überreichen, die, nur konsequent genug befolgt, alle Probleme zum Verschwinden bringt und ein Füllhorn des Glücks über den Klienten ausschüttet. Diese Hoffnung erfüllt sich natürlich nicht und kann gerade zu Beginn der Therapie zu großer Frustration führen.

Nicht erst seit Paul Watzlawicks “Anleitung zum Unglücklichsein” setzen Therapeuten und Coaches Witz und Humor ein, um ihren Klienten neue Perspektiven auf Ihre Krankheit zu eröffnen. So machen sie verschüttete Ressourcen wieder zugänglich. Statt mit erhobenem Zeigefinger Ratschläge zu erteilen, bringen Sie voller Wertschätzung Lachen und Freude in das Leben der Erkrankten zurück. Sie verhelfen Ihnen so zu mehr Akzeptanz für Ihre Situation. Außerdem versetzen Sie sie in die Lage, neue Lösungen für ihre Probleme zu finden. Wer schon einmal z. B. Sessions mit Therapeuten wie Richard Bandler oder dem leider bereits verstorbenen Frank Farrelly gesehen hat, kann das sicherlich gut nachvollziehen.

Darüber hinaus kann das überzeichnete “Anti-Beispiel” dieses Textes sehr hilfreich sein, um einen Einstieg in die Frage nach besseren Wegen zu finden. Daher mein Appell an Dich: Gehe öfter einmal bei Rot über die Straße. Die Mutter mit dem kleinen Kind wird Dir für das hilfreiche Negativbeispiel sehr dankbar sein. Auch wenn sie es vielleicht in diesem Moment nicht zeigen kann.

 

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