Anleitung zum Burn-Out: SportLesedauer 3 Min.

Nimmst du auf dem Weg zu deinem Büro immer noch schwungvoll zwei Stufen auf einmal? Bist du Firmenlauf der erste, der die Anmeldung wegschickt? Und warst du derjenige, der die Aktion “Mit dem Rad zur Arbeit” in deinem Unternehmen ins Leben gerufen hat? Genießt du die neidischen Blicke, wenn du von deinem letzten Marathon erzählst? Und kennst du das Gefühl, wie nach einer Stunde auf dem Fahrrad oder dem Crosstrainer der Stress der Arbeitswelt einfach von dir abfällt?

Dann wird es Zeit, zu handeln. Sport und Burn-Out – diese Kombination verträgt sich einfach nicht.

Schluss mit Sport: die richtige Einstellung

Halte dir immer dein Ziel vor Augen: Du möchtest ein ausgebranntes Wrack werden. Eines morgens vor dem eigenen Spiegelbild erschrecken. Frühzeitig um Jahre altern. Also hör damit auf, dich sinnlos zu bewegen und kostbare Kalorien zu verbrauchen (lies dazu auch den Artikel zum Thema “Ernährung”).

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Nutze dieselbe Disziplin, mit der du dir diesen Körper antrainiert hast, um ihn auch wieder loszuwerden.

Vielleicht wirst du am Anfang das Gefühl von Bewegung, Schwitzen und angenehmer Ermüdung nach dem Sport vermissen. Aber keine Sorge: Schon bald wird dir dein Körper völlig neue Signale wie Schwindel, Kurzatmigkeit und Rückenschmerzen senden, die sich mindestens genauso intensiv anfühlen.

So hörst du richtig auf

Der beste, aber auch schwierigste Weg, ist der kalte Entzug. Kein langsames Zurückfahren des täglichen Bewegungspensums, sondern ein harter Stopp. Das größte Problem dabei: Wie füllst du die plötzlich frei werdende Zeit? Darauf gibt es eine einfache Antwort: Netflix. Wenn du dich erst einmal an wöchentliche Serien-Marathons gewöhnt hast, bleiben die Laufschuhe ganz schnell im Schrank. Ganz abgesehen davon: Warum soll man Sport treiben, wenn man im Fernsehen anderen dabei zusehen kann? Außerdem gibt es noch so viel Neues zu entdecken. Ob Schachboxen oder Elefantenpolo: Wenn du dich erst einmal genau informiert hast, wirst du Sportarten kennen lernen, von deren Existenz du bisher nie geträumt hättest.

Zuhause bleiben – bei jedem Wetter

Gewöhne dir an, das Wetter viel genauer zu beobachten als früher. Denn es gibt praktisch immer einen Grund, auf Bewegung zu verzichten.

  • Frühling: Die Zeit der Pollen. In dieser Jahreszeit sollte man keinen Fuß vor die Tür setzen.
  • Sommer: Den Weg zur Arbeit ohne Klimaanlage zurücklegen? Eine Zumutung Wozu hat man denn dann ein Auto?
  • Herbst: Wind, Regen, fallende Blätter, depressive Stimmung. Von den wenigen Sonnenstrahlen lässt man sich auf keinen Fall nach draußen locken
  • Winter: Sind unsere steinzeitlichen Vorfahren bei so einem Wetter aus der Höhle geklettert? Eben.

Mach dir klar: Funktionskleidung ist etwas für Menschen, die kein Dach über dem Kopf haben.

Technik, die begeistert

Es gibt überhaupt keinen Grund, warum man kurze Wege zu Fuß zurücklegen sollte wie ein Neandertaler. Achte immer auf technische Hilfsmittel, die dir früher vielleicht entgangen sind: Fahrstühle und Rolltreppen tragen dich gemütlich Richtung Burn-Out. Und der nächste Taxistand ist meistens auch nur einen Katzensprung entfernt. Informiere dich außerdem bei deiner KFZ-Versicherung und dem Gebrauchtwagenhändler deines Vertrauens. Ein Zweit- oder Drittwagen ist ist in Anschaffung und Unterhalt günstiger als man denkt.

Schnelle Fortschritte

Die gute Nachricht zum Schluss: Du wirst schnell Erfolge bemerken. Wer schon einmal längere Zeit mit seinem Training aussetzen musste oder einen Gips getragen hat, weiß, wie schnell Muskeln und Kondition verschwinden. Schon nach wenigen Wochen wirst du beispielsweise beim Treppensteigen einen rapiden Leistungsverfall bemerken. Gut gemacht, du hast dem Mosaik deines Burn-Outs ein weiteres wichtiges Steinchen hinzugefügt!

Jetzt mal im Ernst

Falls du lachen mussten – großartig. Und wenn du noch mehr lachen möchtest, lies am besten die ganze Serie “Anleitung zum Burn-Out“.

Wenn Du Dich dagegen jetzt fragst, wozu dieser Text gut sein soll, hier noch ein paar erläuternde Worte. Viele Menschen mit körperlichen oder seelischen Beschwerden fühlen einen gewaltigen und manchmal nur schwer zu ertragenden Leidensdruck.

Die Fähigkeit, das Leben mit etwas entspannter Abgeklärtheit und Humor zu nehmen, ist ihnen abhanden gekommen. Trauer, Wut, Schmerz und Scham bestimmen große Teile ihrer Gefühlswelt.

Die Zahl der gelesenen Selbsthilfe-Ratgeber füllt ein halbes Bücherregal. Nur besser fühlt man sich nicht  Im Gegenteil, die Verzweiflung steigert sich eher noch, weil man mit  den “drei Schritten zum Glück” oder den “10 goldenen Regeln zur perfekten Partnerschaft” dem Ziel eines besseren Lebens nicht einen Millimeter näher gekommen ist. Gleichzeitig fühlt man sich als Versager. Es ist doch angeblich so einfach.

Häufig beginnt der Klient dann eine Psychotherapie mit der Vorstellung , der Therapeut möge ihm nach kurzem Nachdenken über sein Problem eine Gebrauchsanweisung überreichen, die, nur konsequent genug befolgt, alle Probleme zum Verschwinden bringt und ein Füllhorn des Glücks über den Klienten ausschüttet. Diese Hoffnung erfüllt sich natürlich nicht und kann gerade zu Beginn der Therapie zu großer Frustration führen.

Nicht erst seit Paul Watzlawicks “Anleitung zum Unglücklichsein” setzen Therapeuten und Coaches Witz und Humor ein, um ihren Klienten neue Perspektiven auf Ihre Krankheit zu eröffnen. So machen sie verschüttete Ressourcen wieder zugänglich. Statt mit erhobenem Zeigefinger Ratschläge zu erteilen, bringen Sie voller Wertschätzung Lachen und Freude in das Leben der Erkrankten zurück. Sie verhelfen Ihnen so zu mehr Akzeptanz für Ihre Situation. Außerdem versetzen Sie sie in die Lage, neue Lösungen für ihre Probleme zu finden. Wer schon einmal z. B. Sessions mit Therapeuten wie Richard Bandler oder dem leider bereits verstorbenen Frank Farrelly gesehen hat, kann das sicherlich gut nachvollziehen.

Darüber hinaus kann das überzeichnete “Anti-Beispiel” dieses Textes sehr hilfreich sein, um einen Einstieg in die Frage nach besseren Wegen zu finden. Daher mein Appell an Dich: Gehe öfter einmal bei Rot über die Straße. Die Mutter mit dem kleinen Kind wird Dir für das hilfreiche Negativbeispiel sehr dankbar sein – auch wenn sie es vielleicht in diesem Moment nicht zeigen kann.

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