Familie und FreundeLesedauer 4 Min.

Auf Ihre Familie können Sie sich immer verlassen? Und Ihre besten Freunde lassen Sie niemals im Stich? Selbst gute Bekannte könnten Sie zur Not um Hilfe bitten? Dann haben Sie ein hartes Stück Arbeit vor sich. Denn diese menschlichen Löschfahrzeuge sorgen häufig für einen emotionalen Schaumteppich, auf dem ein vollständiges Ausbrennen fast unmöglich ist. Aber das lässt sich glücklicherweise mit etwas Disziplin schnell ändern und die Einsamkeit wird dann bald Ihr bester Freund sein.

Partnerschaft: Wo die Liebe hinfällt … wächst kein Gras mehr

Leben Sie noch in einer stabilen Partnerschaft? Dann wird es Zeit, sie möglichst schnell zu Fall zu bringen. Es gibt wenig, was einem auf dem Weg zum Burn-out mehr im Weg stehen kann, als ein treuer Partner oder eine liebevolle Partnerin. Zum Glück lässt sich das relativ schnell ändern. Helfen können Ihnen dabei die vier sogenannten „apokalyptischen Reiter“, nämlich:

  1. Kritik: Daran sollten Sie in Zukunft auf keinen Fall sparen. Es gibt sicher eine Menge Dinge, die Sie an Ihrem Partner schon lange gestört haben. Aber falsch verstandene Toleranz und ansozialisiertes Taktgefühl haben Sie bisher von einem offenen Wort abgehalten? Oder mehreren? Schluss damit. Warum muss das Geschirr immer gleich in die Maschine? Wer sagt, dass Wollpullover nicht in den Trockner dürfen? Oder das Silberfischchen nicht auch Haustiere sind? Muss ein Kühlschrank immer zum Bersten gefüllt sein, oder tun es nicht auch ein paar Spinnweben? Wer sagt, dass Frauen nicht schnarchen? Oder dass es bei ihnen besser klingt? Seien Sie kreativ, es findet sich jeden Tag ein neuer Grund für verletzende Kritik.
  2. Verachtung: Gibt es Verhaltensweisen bei Ihrem Partner, bei denen Sie innerlich die Augen verdrehen? Sehr gut. Mit innerlich ist es in Zukunft aber vorbei. Ein Geheimtipp: Die Wirkung vervielfacht sich, wenn andere Familienmitglieder oder Freunde bei solchen Unmutsäußerungen anwesend sind. Schwiegereltern und kirchliche Feiertage haben sich aus unerfindlichen Gründen besonders bewährt.
  3. Rechtfertigung: Glauben Sie, dass Sie in Ihrer Beziehung auch Fehler machen? Dann hören Sie sofort damit auf. Verwenden Sie Ihre Zeit in Zukunft besser darauf, die Gründe und positiven Absichten Ihres Verhaltens an den Mann oder die Frau zu bringen. Sie lassen die Tür offen, wenn Sie von der Toilette kommen? Natürlich, sonst zieht der Gestank ja nie ab. Der Schuhschrank ist zu 95 % mit Ihren Schuhen gefüllt? Natürlich, Männerschuhe sehen doch sowieso alle gleich aus. Zwei Paar sind eigentlich schon zu viel, aber Sie haben ja schließlich ein Herz. Sie trinken jeden Abend eine Flasche Wein? Ja, aber doch nur, damit ich das Schnarchen meines Bettgenossen besser ertragen kann.
  4. Mauern: Ein altes Sprichwort lautet: Wenn man nichts Gutes über einen Menschen sagen kann, sagt man am besten nichts. Quittieren Sie in Zukunft die Versuche Ihres Partners, ein Gespräch in Gang zu bringen mit eisigem Schweigen. Auf die Frage, ob etwas nicht in Ordnung sei, antworten Sie am besten mit einem leicht gereizten “Was soll denn nicht in Ordnung sein?”. Oder Sie zitieren obiges Sprichwort, was schnell einen der weiteren drei apokalyptischen Reiter auf den Plan rufen dürfte.

Sie sind wieder Single? Sehr gut, dann kümmern wir uns jetzt noch um Ihre Freunde und Bekannten.

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Ein Freund, ein guter Freund …

… das ist in Ihrem Fall das Schlechteste, was es auf gibt auf der Welt. Schließlich wollen Sie einen Burn-out, da sind Gruppenumarmungen einfach wenig hilfreich. Zum Ausbrennen braucht es Einsamkeit, Melancholie und Isolation. Ein paar einfache Tipps:

  • Absagen, absagen, absagen: Auch der treueste Freund ist irgendwann weich gekocht und wird sich anderen Menschen zuwenden, wenn Sie seine Einladungen nur häufig genug ausschlagen. Wie verlockend menschliche Nähe auch sein mag: Lassen Sie die Finger davon. Die gute Nachricht: Mit fortschreitendem Burn-out wird Ihre Lust auf Gesellschaft wie von selbst verschwinden und eine sich selbst verstärkende Abwärtsspirale von Depression und Kontaktabbrüchen setzt ein.
  • Intrigen spinnen: Kennen Sie einige schmutzige Geheimnisse Ihrer besten Freunde? Und haben Sie einen Facebook-, Twitter- oder Instagram-Account? Dann ist jetzt der Moment gekommen, die Welt daran teilhaben zu lassen. Ein gut formulierter Social-Media-Beitrag oder eine scheinbar versehentliche Nachricht in der falschen WhatsApp-Gruppe können da wahre Wunder wirken. Schon bald wird sich jeder Ihrer Freunde zweimal überlegen, ob er mit Ihnen noch über etwas anderes sprechen will als über das Wetter. Der emotionale Abstand wird schon floskelhaften Fragen a la „Wie geht es Dir?“ förmlich greifbar.
  • Gezielt vor den Kopf stoßen: Lassen Sie sich bei aller selbst verordneten Isolation in unregelmäßigen Abständen bei Freunden und Bekannten blicken – und zeigen Sie ihnen dann, was ihnen normalerweise inzwischen erspart bleibt. Beginnen Sie den Abend möglichst schweigsam, lassen Sie Ihre schlechte Laune aber durch finstere Blicke und zynisches Lachen durchscheinen. Da vermutlich vor nicht allzu langer Zeit – siehe oben – Ihre Beziehung in Flammen aufgegangen ist, dürfte Ihnen das auch nicht allzu schwer fallen. Fangen Sie dann im Laufe des Abends an, schnell und übermäßig zu trinken. Und durchlaufen Sie dabei alle Phasen des rauschhaften Alkoholkonsums:
    • übermäßige Risikobereitschaft: „Ich fahre doch noch total sicher. Welche rote Ampel?“
    • übersprudelnde Energie: „Heute lassen wir es mal richtig krachen. Ich ruf alle Babysitter an und dann geht es auf die Piste.“
    • überschäumende Sentimentalität: „Ihr … ihr … seit alllllle meine besten … hick … Freunde. Ich liebe Euch soooo sehr.“
    • überirdische Trauer: „Sie … sie .. hat mich eigentlich n-n-n-nie geliebt … schluchz … Ich werde nieeeeee wieder lachen.“
    • überbordende Aggressivität: „Sch-schöne Freunde seid ihr. Euch (Faust schütteln) … Euuuuch (und noch mal) … werd ich …“
    • überfälliger Abgang: An diesem Punkt übergeben Sie sich auf den Fußboden (möglichst Teppich!) und torkeln dann fluchend davon. Bis zum nächsten Anruf Ihrer Freunde dürfte es nun eine ganze Weile dauern.

Einsamer Cowboy

Wenn Sie sich an die obigen Ratschläge gewissenhaft halten, werden Ihr soziales Umfeld bald dieselbe einhellige Meinung von Ihnen haben: Wer solche Freunde hat wie Sie, braucht keine Feinde mehr.

Achten Sie außerdem bei sich selbst auf einige Signale, die Ihnen zeigen, dass das Zerschneiden Ihres sozialen Netzes Früchte trägt:

  • Sympathisieren Sie immer stärker mit Filmhelden wie Rambo, John McClane oder dem Terminator?
  • Gehen Sie gerne abends spazieren, besonders wenn es stürmt, regnet oder noch besser: hagelt?
  • Hören Sie in Ihrem Kopf immer öfter Songs wie “I Did It My Way“, “It’s Probably Me“, oder “Einsamer Cowboy“?

Glückwunsch, wieder sind Sie Ihrem Burn-out-Ziel einen gewichtigen Schritt näher gekommen. Nur weiter so.

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