Auf jeden Fall noch vor Weihnachten …Lesedauer 2 Min.

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Ich kenne keine Branche, in der nicht kurz vor Weihnachten völliger Aktionismus ausbricht – und ich habe schon im Marketing für Eiscreme gearbeitet. Aber auch wenn es nachmittags um drei Uhr dunkel wird, draußen Minusgrade herrschen und Eis mit Glühwein-Geschmack die Umsätze auch nicht mehr retten kann, kannst du dir einer Sache sicher sein: Dein Projekt muss noch vor den Feiertagen abgeschlossen sein. Sonst …

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Feiertage und der Weltuntergang

Sonst was, eigentlich? Nach längerer Reflexion bin ich zu dem Schluss gekommen, dass am Ende doch die meisten Menschen ganz tief in sich die Angst verspüren, dass es gar kein neues Jahr mehr geben wird. Nach Weihnachten kommt noch Sylvester, ein paar Raketen steigen in den Himmel, man liegt sich mehr oder weniger angetrunken in den Armen – und das war es dann. Weltuntergang, Klimakatastrophe, Armageddon.

Nun könnte man daraus die – im Bezug auf die Arbeit eigentlich recht angenehme – Schlussfolgerung ziehen, dass der erfolgreiche Abschluss der meisten Projekte vor dem Hintergrund des bevorstehenden Endes der Menschheit keine allzu gravierenden Folgen mehr haben dürfte. Last-Minute-Taufen, Brandopfer und ähnliche auf ein glückliches Jenseits gerichtete Aufgaben einmal ausgenommen. Vielleicht baust du ja auch an der einzigen Rakete mit, die uns gemeinsam mit Elon Musk zu neuen Welten bringen soll. Dann solltest du dich in der Tat besser ranhalten. Aber für alle anderen wäre jetzt die Zeit, sich auf die wirklich wichtigen Dinge zu konzentrieren: Freunde, Familie, Hobbys usw. Noch einmal das Leben in vollen Zügen auskosten, bevor du deinem Schöpfer gegenüber trittst.

Prioritäten vor den Feiertagen richtig setzen

Besonders wir Deutschen – Klischeeschublade auf – ziehen aus dem Gefühl des nahenden Weltuntergangs aber seltsamerweise kein Gefühl der entspannten Abgeklärtheit. Im Gegenteil, wir folgern messerscharf: Wenn das Projekt nicht vor den Feiertagen fertig wird, wird es also nie fertig. Und nicht so, wie manche Projekte einfach nie zu einem Ende kommen – Zombie-Projekte wäre vielleicht ein passender Name –, sondern im wahrsten Sinn des Wortes: niemals. Eine schreckliche Vorstellung, seine Pflicht nicht erfüllt zu haben. Das können sich vielleicht die Südeuropäer leisten, aber wir? Es bleibt also nur eines: Vollgas geben, das Letzte aus sich – und allen anderen – herausholen und abliefern bzw. abliefern lassen (Grüße an alle Agenturmitarbeiter). Zweistelliges Wachstum ensteht eben nicht von selbst. Möglicherweise auch gar nicht, aber das wäre etwas für einen eigenen Artikel.
Getreu dem Motto: Die Welt mag ruhig untergehen, aber niemand soll mir am Ende vorwerfen, dass ich meine Aufgaben nicht bewältigt hätte. Und wer weiß: Vielleicht lässt sich am Ende die sengende Hitze der Hölle mit einem Löffel der neuen Mövenpick Zimt-Bratapfel-Marzipan-Lebkuchen-Eiscreme ja vielleicht doch besser ertragen als ohne.

Eine Übung für die Feiertage

Vielleicht kann die folgende Übung ein wenig helfen, dem Wahnsinn vor den Feiertagen seinen Schrecken zu nehmen und die Prioritäten geradezurücken: Stelle dir für einen Moment vor, die Welt würde wirklich am 31.12. enden. Dann frage dich: Welches Projekt in meinem Leben sollte WIRKLICH bis dahin abgeschlossen sein? Wem sollte ich auf jeden Fall noch einmal in die Augen geschaut haben? Mit wem und wo möchte ich noch möglichst viel Zeit verbringen? Und mit wem nicht?
Àlso, worauf wartest Du noch? Denn es gibt ja nur zwei Möglichkeiten:
1. Die Welt geht wirklich unter. Was vergeudest du dann deine Zeit mit Dingen, die sowieso keine Rolle mehr spielen werden?
2. Die Welt geht nicht unter, was deutlich wahrscheinlicher ist. Dann hat fast alles noch Zeit bis zum nächsten Jahr und du kannst in Ruhe etwas mehr Zeit mit dem verbringen, was dir wirklich wichtig ist.
Die dritte Möglichkeit – deine Arbeit erfüllt dich mit solcher Glückseligkeit, dass du dir gar nichts Besseres vorstellen kannst als deine Zeit im Büro zu verbringen und dein Projekt abzuschließen – gehört wohl eher ins Reich der Theorie.

In diesem Sinne wünsche ich eine beschauliche Vorweihnachtszeit und einen fröhlichen Weltuntergang!

PS: Wenn du noch ein lustiges Weihnachtsgeschenk für einen gestressten Leidensgenossen in der Arbeit brauchst, sind die Bücher von Martin Suter einen Blick wert. Einen Artikel mit Buchempfehlungen findest du hier.

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