Männer in der Krise (II)Lesedauer 1 Min.

Iran. Sie schicken ihn in den IRAN.

Raketen-Ralle auf dem Weg nach Teheran. Klang wie der Titel einer Actionkomödie. Stefan Becker brach erneut in schallendes Gelächter aus. Fast hatte er ein wenig Mitleid mit Ralf Hacker. Aber nur fast.

Schließlich hatte er ihm neben anderen kleinen Gemeinheiten auch den Spitznamen zu verdanken, der ihn seit Anfang seiner Karriere vor bald 15 Jahre noch immer verfolgte: Schleuder-Steve. Er und Hacker waren beide vor nun schon über anderthalb Jahrzehnten im Nachwuchsmanager-Programm Vertrieb des Unternehmens gestartet. Die ersten sechs Monate wurden beide in den Außendienst geschickt, um das Geschäft von der Pieke auf zu lernen. Während Hacker nach wenigen Tagen dafür bekannt war, dass er es zu jedem, wirklich jedem Termin schaffte, und seine Vorgesetzten über sämtliche Bußgeldbescheide wegen überhöhter Geschwindigkeit, die er mit dem geliehenen Pool-Fahrzeug einsammelte, gnädig hinwegblickten, nahm Beckers erster Einsatz im Außendienst eine völlig andere Wendung. Er hatte gerade mit seinem Fahrzeug das Industriegebiet verlassen und war dabei, auf der Bundesstraße die im Fahrzeugschein eingetragene Höchstgeschwindigkeit des Kombis zu testen, als ein Reh mit elegantem Sprung über die Leitplanke setzte. Das folgende Ausweichmanöver hatte folgendes Ergebnis:

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  • Kombi:               Beherztes Ausweich- und Bremsmanöver –> Kontrollverlust –> Leitplanke –> Totalschaden
  • Stefan Becker:  Beherztes Ausweich- und Bremsmanöver –> Kontrollverlust –> Leitplanke –> Spitzname (dank Ralf Hacker): Schleuder-Steve

Dass nur sein geistesgegenwärtiges Eingreifen das Leben des Rehs gerettet hatte, wurde in den folgenden Jahren deutlich seltener erwähnt als die Tatsache, dass der inzwischen leicht ergraute Key Account Manager Stefan Becker in der ersten Woche seines Nachwuchsmanager-Programms seinen Pool-Wagen zu Schrott gefahren hatte. Besonders Raketen-Ralle gab die Geschichte, möglichst im Beisein von Becker und einigen jungen Kollegen, immer wieder gern zum Besten.

Aber nun war die Stunde von Schleuder-Steve gekommen. Binnen eines halben Arbeitstages hatte er weite Teile des Unternehmens über die Entsendung Hackers  in den Mittleren Osten informiert. Nicht, ohne immer wieder süffisant darauf hinzuweisen, dass der Spitzname Raketen-Ralle für ein Krisengebiet vielleicht doch ein wenig zweideutig sei.

Als er nach einem weiteren launigen Gespräch in der Kaffeeküche wieder sein Büro betrat, um in der letzten Stunde des schon weit fortgeschrittenen Arbeitstages zumindest noch seine Mailbox aufzuräumen, entdeckte er die E-Mail seines CEO.

Sein Blick ruhte lange auf der Betreffzeile, die aus nur einem einzigen Wort bestand: Kongo

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