Double Diamond-Prozess: Diamanten kann man ja nie genug haben …Lesedauer 2 Min.

Wer schon über die Themen “Agilität”, “Design Thinking” usw. gestolpert ist (und wer ist das bei dem Hype um diese Themen nicht?), hat vielleicht auch schon vom Double Diamond-Prozess gehört, der bei der Lösung komplexer Probleme helfen kann. Hier ein kurzer Überblick.

Woher kommt die Idee?

Der Prozess in seiner heutigen Form baut auf einem Konzept des British Design Council Anfang der 2000er Jahre auf. Wer sich für die Hintergründe interessiert findet auf der Internetseite des Council einen spannende Artikel.

Eine Erkenntnis, zwei Diamanten

Im Kern geht es um die Visualisierung eines Design- oder Innovationsprozesses. Anders gesagt: Wir stehen in unserer Organisation vor einem Problem oder wollen etwas Neues entwickeln. Der Double Diamond-Prozess schafft eine bildliche Darstellung, die hilft, den notwendigen Prozess zu strukturieren.

Dabei steht jeweils ein “Diamant” für den Problem- und einer für den Lösungsraum. Die Erkenntnis dahinter ist eigentlich simpel: Allzu oft haben wir ein Problem noch gar nicht richtig durchdrungen und analysiert, springen aber schon munter zu Lösungsideen. Häufig kommt das böse Erwachen dann später, wenn eine untaugliche Lösung beim Versuch der Implementierung grandios scheitert.

Wer beispielsweise schon einmal gleich zu Beginn bei der Darstellung eines Problems von einem ungeduldigen Kollegen oder Vorgesetzten mit den Worten “Ja ja, ich verstehe schon, was Du meinst. Machen wir es doch einfach so …” unterbrochen worden ist, und die restliche Zeit eines Meetings mit der Diskussion sinnloser Lösungsansätze verbracht hat, den muss man wohl nicht vom Sinn des Modells überzeugen.

Die Schlussfolgerungen:

  1. Es muss eine klare Trennung zwischen Problemraum und Lösungsraum geben.
  2. In beiden Räumen muss unterschiedlich gearbeitet werden

Denk- und Verhaltensweisen im Double Diamond-Prozess

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Das bedeutet auch, dass in den beiden Diamanten ganz unterschiedliche Denk- und Verhaltensweisen gefragt sind:

  • Abstecken des Problemraums: zuhören, fragen, analysieren, entdecken, sortieren, definieren
  • Entwickeln des Lösungsraums: entwickeln, testen, entscheiden, ausführen

Im Englischen werden den Diamanten folgende vier Begriffe zugeordnet:

  • Diamant 1 (Problem): discover, define
  • Diamant 2 (Lösung): develop, deliver

Nicht-linearer Prozess

Der Double Diamond-Prozess wirkt auf den ersten Blick linear, also vom Problem zur Lösung, ist es aber nicht. Es kann durchaus passieren, dass sich beim Testen einer Lösung neuer Input ergibt, der – zurück im Problemraum – bewertet und analysiert werden muss und ggf. Auswirkungen auf die angestrebte Lösung hat.

Bei der Lösung selbst folgt der Ansatz der Idee, schnell viele Prototypen ins Feld zu schicken, um Fehler möglichst früh zu beheben und zu einer möglichst guten Lösung zu gelangen.

Gerade bei schwierigen Problemen, die beispielsweise mehrere Abteilungen betreffen oder entsprechend emotional aufgeladen sind, mag ein Moderator hilfreich sein, der den Prozess im Auge behält.

Ein Problem, das der Prozess nicht lösen kann, ist die Frage zu beantworten, wann man das Problem gut genug verstanden hat, um in den Lösungsraum zu wechseln. Das ist keinesfalls trivial. Wer schon einmal den Satz “Wir machen lieber noch etwas mehr Marktforschung” gehört hat, weiß, wovon ich spreche. Hier hilft es letztlich nur, ein gemeinsames Verständnis in der Gruppe zu finden, wann man ein Genug an Informationen erreicht hat.

Double Diamond-Prozess als Diagramm

Hier das Ganze als Bild (Quelle: https://www.testingtime.com/blog/double-diamond-design-prozess/)

Der Double Diamond Prozess für User-centered Design.

Fazit zum Double Diamond-Prozess

Der Double Diamond-Prozess hilft, dabei, ein Problem genau zu verstehen, bevor es an die Entwicklung von Lösungsansätzen geht. Aufgrund des Aufwandes lohnt sich der Ansatz vor allem für umfangreiche und komplexe Probleme, die in der Sprache des Design Thinking entsprechend häufig auch “wicked problems” genannt werden.

Was mir persönlich an dem Ansatz übrigens gut gefällt: Das Problem wird gleichberechtigt zur Lösung dargestellt und genauso als “Diamant” bezeichnet. Geht deine Organisation auch so mit Problemen um? Was würde sich ändern, wenn sie es täte?

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