Metaprogramme: Filter verstehen und besser kommunizieren

Metaprogramme – im englischen auch Sorting Styles – genannt, sind ein interessantes Konzept aus dem NLP, das dir hilft, zu verstehen, warum wir die Dinge so sehen, wie wir sie sehen.
Wie man sie erkennt und für gelungene Kommunikation nutzen kann, erklärt dieser Artikel.

Metaprogramme in Aktion: Ein Paar – zwei Urlaube

Ein kleines Beispiel. In einem Gespräch mit einem Klienten, erzählte er mir von seinem letzten Urlaub mit seiner Frau: “Es fing schon so gut an. Die Dame an der Rezeption war unglaublich freundlich und ließ unser Gepäck gleich aufs Zimmer bringen. Abends im Restaurant hat uns der Koch, er hieß Sebastian, die Zutaten aus der Küche gebracht und Gerichte empfohlen. Ein sympathischer Kerl. Am nächsten Tag wollte meine Frau dann unbedingt eine Kirche besichtigen. Ich weiß nicht mehr, wie der Ort hieß. Aber der Pfarrer war unglaublich freundlich und nahm sich Zeit, uns herumzuführen. Er hatte sein ganzes Leben in dem Ort verbracht. Danach waren wir noch an irgendeinem Strand, den meine Frau für uns ausgesucht hatte. Jedenfalls trafen wir da ein reizendes Ehepaar, Andrea und Stefan, mit denen wir uns lange unterhielten.”

Menschen vs. Dinge: Hier wurde mir zum ersten Mal deutlich, wie unterschiedlich wir die scheinbar selben Erfahrungen wahrnehmen und welche Informationen den Weg in unser Bewusstsein bzw. unser Gedächtnis finden.

Was sind Metaprogramme?

Im NLP geht man davon aus, dass es eine große Anzahl an sogenannten Metaprogrammen oder, etwas ungelenk aus dem Englischen übersetzt, “Sortierstilen” gibt. Sie helfen uns, die Komplexität der Welt mit ihren unzähligen Eindrücken, die gleichzeitig auf uns niederprasseln, zu filtern.

Die Idee der Metaprogramme geht vor allem auf die Arbeit des amerikanischen NLPlers Robert Dilts zurück. Der Begriff “Meta” will ausdrücken, dass auch Menschen, die sich in derselben Umwelt befinden und auch ähnlichen Entscheidungsprozessen folgen, z. B. ein Bild von einer Situation im Kopf haben und dazu ein Gefühl bekommen, tatsächlich trotzdem sehr unterschiedliche Entscheidungen treffen. Anders gesagt: Sie haben ähnliche Programme, es gibt aber auf einer Metaebene noch Filter, die die Entscheidung steuern.

Welche Metaprogramme gibt es?

Und hier dürfte auch das für den nicht völlig geübten Kommunikator größte Problem auftreten. Im NLP unterscheidet man bis zu 20 verschiedene Metaprogramme. Eine ausführliche Liste findest du beispielsweise hier.
Persönlich halte ich die Folgenden für sehr nützlich:

  • global vs. spezifisch orientiert: Neigen Menschen eher darauf, sich auf Details zu konzentrieren, oder genügt ihnen ein Überblick?
  • hin zu vs. weg von motiviert: Tut jemand etwas, um ein Ziel zu erreichen, oder, um einen Schaden oder Verlust abzuwenden?
  • Gleichheit vs. Unterschiede: Sortiert dein Gegenüber nach Ähnlichkeit, oder sieht er in den Dingen vor allem die Unterschiede?
  • Menschen vs. Dinge: Ist jemand eher an anderen Menschen oder an Dingen interessiert?
  • Zeit (Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft): Konzentriert sich ein Mensch stark auf eine der drei Zeiten?
  • Bezugsrahmen für Entscheidungen intern vs. extern: Tut jemand etwas, weil er denkt, dass es von ihm erwartet wird, oder folgt er einem inneren Kompass?

Wichtig: Es gibt bei Metaprogrammen prinzipiell keine guten oder schlechten Ausprägungen. Je nach Situationen können Ausprägungen aber natürlich mehr oder weniger hilfreich sein bzw. extreme Ausprägungen zu Problemen führen. Oder wie es Paul Watzlawick einmal treffend formuliert hat: Wer als Werkzeug nur einen Hammer hat, sieht in jedem Problem einen Nagel.

Wozu kann man Metaprogramme nutzen?

Metaprogramme haben vor allem drei wichtige Funktionen:

  1. Selbstreflexion und Flexibilität: Wenn du deine eigenen Metaprogramme besser verstehst, werden dir auch die Filter deiner eigenen Wahrnehmung bewusst. Außerdem kannst du gezielt einmal mit einer “fremden” Ausprägung spielen und an Flexibilität gewinnen.
  2. Empathie und Verständnis: Indem du die Metaprogramme anderer erkennst, kannst du dich besser in ihre Wahrnehmung einfühlen. Auch verstehst du besser, welche Informationen durch ihre Filter kommen und welche nicht.
  3. Rapport und Kommunikation: Stimmst du dich auf die Metaprogramme deines Gegenübers ein, steigen die Chancen einer gelungenen Kommunikation drastisch. Der Andere fühlt sich verstanden, gleichzeitig bleibt der Inhalt deiner Kommunikation nicht in einem Filter hängen.

Übung macht den Meister: So wirst du zum Metaprogrammierer

Wie bei allen Kommunikationstechniken führt nur regelmäßiges Üben zum Ziel. Fokussiere dich für den Anfang am besten auf nur ein oder zwei Programme, mit denen du dich dann ausführlicher beschäftigst.

Fünf Tipps für den Einstieg in Metaprogramme

Aller Anfang ist ja bekanntlich schwer. Aber es gibt einige einfache Tipps, mit denen du schnell erste Erfolge beim Erkennen und Nutzen von Metaprogrammen haben wirst. Hier zeige ich dir am Beispiel des Metaprogramms “Gleichheit vs. Unterschiede”, wie du vorgehen kannst:

  1. Höre auf Signalwörter und Phrasen, zum Beispiel:
    – Das ist genau wie / dasselbe wie / eine ähnliche Situation wie usw.
    – Das muss man unterscheiden / ist neu / hatten wir so noch nicht.
  2. Achte auf Metaphern und Sprichwörter, beispielsweise:
    – Es gibt nichts Neues unter der Sonne. Gleich und gleich gesellt sich gern.
    – Man steigt nie in denselben Fluss. Gegensätze ziehen sich an.
  3. Stelle Fragen, z. B.:
    – Wie hat sich dein Leben in den letzten sechs Monaten verändert?
    – Inwiefern unterscheidet sich dein jetziger von deinem letzten Beruf?
  4. Stichwort Rapport: Versuche die Ausprägung deines Gesprächspartners zu übernehmen und achte darauf, ob er dir zustimmt. Das ist gleichzeitig eine gute Übung im aktiven Zuhören, beispielsweise:
    – Wenn ich richtig verstehe, bist du der Meinung, dass dein Leben im Großen und Ganzen im letzten halben Jahr gleich geblieben ist.
    – Du sagst also, dass sich dein jetziger Beruf in sehr vielen Punkten von deinem letzten unterscheidet, richtig?
  5. Idealtypus modellieren: Führe Gespräche mit Personen, bei denen dir ein Metaprogramm besonders ausgeprägt zu sein scheint. Achte dann auch auf Gesten und andere nonverbale Zugangshinweise für das jeweilige Programm.

PS: Ein Schlusswort in eigener Sache. Dieser Blog lebt vom Teilen. Wenn dir der Artikel gefallen hat, weißt du, was zu tun ist :-). Vielen Dank!

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