Wie viel Nähe darf es sein? Schopenhauers StachelschweineLesedauer 1 Min.

Werbung

Heute erwähnte eine Bekannte von mir in einem Gespräch über Nähe und Distanz die Stachelschwein-Geschichte aus dem Buch mit dem unaussprechlichen Titel Parerga und Paralipomenades des Philosophen Arthur Schopenhauer. Ein brillante Geschichte, die ich dir nicht vorenthalten will.

Schopenhauers Stachelschweine

Wenn du die kurze Geschichte im Original nachlesen willst, findest du sie kostenlos hier. Knapp zusammengefasst: Es ist Winter. Eine Gruppe Stachelschweine rückt näher zusammen, um sich zu wärmen. Doch ab einer bestimmten Entfernung treiben sie die schmerzhaften Stacheln wieder auseinander. Wenn die Kälte dann zu groß wird, rücken sie wieder näher aufeinander usw.

Schopenhauer beschreibt in diesem Bild den Wunsch des Menschen nach Gemeinschaft und Nähe, aber gleichzeitig auch sein Bedürfnis, einen individuellen Freiraum zu behalten und sich von den als schlecht empfundenen Seiten der Gesellschaft fernzuhalten.

Individuelle und soziokulturelle Unterschiede von Nähe und Distanz

Sicher hat jeder ein individuell unterschiedliches Bedürfnis nach Nähe und Distanz. Denke nur an besonders introvertierte und im Gegensatz dazu extrovertierte Menschen in deinem Bekanntenkreis. Aber diese Unterschiede sind sicherlich nicht einfach nur angeboren, sondern auch soziokulturell vermittelt. Ob das an die Kinder in Familie und Gemeinschaft vermittelte Credo “I did it my way” oder “Wo aber keine Gemeinschaft ist, da kann auch keine Freundschaft sein” lautet, führt sicherlich zu Unterschieden in der Wahrnehmung, wie viel Nähe oder Abstand zu anderen wünschenswert ist.

Ganz konkret kannst du das beim Thema “Distanzzonen” sehen. Je nach Kultur sind im Alltag akzeptable Entfernungen zwischen Freunden, Bekannten und Fremden durchaus unterschiedlich. In meinem Artikel erfährst du dazu alles Wissenswerte.

Werbung

Nähe und Distanz in der Partnerschaft – ein Beispiel aus der Praxis

Ein Bekannter von mir arbeitete einmal mit einem Paar therapeutisch, das sich erst vor wenigen Wochen gelernt hatte, aber schon wieder kurz vor der Trennung stand. Sie bezeichnete ihn als eifersüchtig, er sie als unnahbar und kühl. Mein Bekannter nutzte eine Aufstellung und bat die beiden nacheinander, den jeweils anderen in eine Entfernung für sich angenehme Entfernung zu bringen. Die Unterschiede waren dramatisch: Als er an der Reihe war umarmte er sie eng und lächelte glücklich, während man ihr das Unbehagen ansehen konnte. Umgekehrt stellte sie sich etwas 30 cm entfernt neben ihn und nahm seine Hand. Dabei wirkte sie sehr gelöst, während man ihm die Enttäuschung über die “riesige” Entfernung anmerkte. Was sich in der Körpersprache schon klar gezeigt hatte, wurde im folgenden Gespräch noch viel klarer. Es ging letztlich um die Frage, wie viel Nähe und Distanz von beiden gewünscht wurde. Leider weiß ich aber nicht, was aus den beiden “Stachelschweinen” geworden ist.

Was vermutest du?

Related Post

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.