Perfekt präsentieren mit BodenankernLesedauer 3 Min.

Mit dem Konzept der Bodenanker, das aus dem NLP bekannt ist, kannst du deine Präsentationsfähigkeiten ganz einfach verbessern. In diesem Artikel erkläre ich dir, wie du Bodenanker einsetzt und gebe Tipps aus meiner eigenen Praxis als Trainer.

Was sind Bodenanker?

Das sog. “Ankern” zählt wie der Aufbau von Rapport oder das Konzept der Augenbewegungen zu den Grundtechniken im Neurolinguistischen Programmieren. Es meint die Kopplung eines bestimmten Reizes mit einer gewünschten Reaktion. Wenn du mehr über dieses Konzept erfahren möchtest, das ungefähr dem der Klassischen Konditionierung in der behavioristischen Psychologie entspricht, findest du hier einen guten Überblick.

Bei einem Bodenanker, auch Raumanker genannt, verbindest du mit einer bestimmten Position am Boden (= Reiz) eine gewünschte Reaktion bei dir oder deinen Zuhörern.

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Bodenanker für deine Zuhörer

Bei einem meiner letzten Seminare sah ich mir vor Beginn des Workshops den Raum in Ruhe an. Dabei überlegte ich mir, welche Bodenanker für meine Präsentation hilfreich sein würden. Folgendes Schema gibt dir einen Überblick:

Bodenanker

Hier eine Erläuterung zu den einzelnen Positionen:

Position 1: Frontalpräsentation

Das sind die beiden Punkte, von denen aus ich präsentiere. Die beiden Flipcharts helfen mir, immer wieder genau an diesem Punkten zu stehen. Präzision ist beim Ankern wichtig, um die gewünschte Reaktionen auszulösen. Diese beiden Orte sind ausschließlich für das Präsentieren reserviert,  es  sind sozusagen meine “Jetzt rede ich”-Plätze. Die Tatsache, dass ich zwei solche Punkte im Raum verwende, erlaubt es mir, gelegentlich die Seiten zu wechseln. So stehe ich nicht die ganze Zeit wie festgewurzelt an einem Ort.

Position 2: Fragen und Einwände behandeln

Wenn ich eine Frage beantworte oder einen Einwand behandle, verlasse ich den Präsentationsort und mache zwei Schritte zur Seite und nach vorne auf den Teilnehmer zu. (Durch das nach vorne Gehen wirke ich für den Teilnehmer auch optisch größer.) Erst dann beginne ich mit meiner Antwort. Wenn ich fertig bin, kehre ich zu meinem Präsentationsort zurück und setze meinen Vortrag fort. Position 2 nutze ich auch, um die Teilnehmer am Ende eines Abschnittes zu Fragen zu ermuntern.

Position 3: Fragen und Einwände vorwegnehmen

Diese beiden Punkte verwende ich, wenn ich eine Frage oder einen Einwand der Teilnehmer vorwegnehmen möchte. Ich stehe also auf Position 1, schließe ein Thema ab, gehe dann zu Punkt 3 und sage etwas wie: “Jetzt könnte man sich ja fragen …” oder “Aber ist es nicht so, dass …” Dann gehe ich zu Position 2 und beantworte die Frage oder den Einwand. Auf diese Weise werde ich also gleichsam für den Moment ein Mitglied der Gruppe und bekomme den Einwand nicht selbst “frontal” ab.

Position 4: Gruppendiskussion eröffnen

Wenn ich den Vortrag für eine Diskussion der Gruppe öffnen oder eine Frage oder einen Einwand zurück an die Gruppe spielen möchte, ziehe ich mich einen kleinen Schritt zurück und setze mich auf dem Tisch ab. Dadurch ziehe ich mich sichtbar von meinem “Jetzt rede ich”-Ort zurück und mache mich, da ich jetzt sitze und etwas nach hinten gegangen bin, etwas kleiner. Von dieser Position wechsle ich dann je nach Bedarf auf eine der anderen Positionen zurück, wenn ich in die Diskussion eingreifen will.

Zusammenfassend nutze ich also die verschiedenen Bodenanker, um bestimmte Reaktionen, wie zum Beispiel “zuhören”, “diskutieren” oder “fragen” bei den Teilnehmern – und auch für mich – zu verankern.

Bodenanker für dich

Im NLP wird das Ankern häufig genutzt, um beispielsweise gute Zustände an einen neutralen Reiz wie ein Wort oder eine Berührung zu koppeln. Wenn du präsentierst, kannst du Bodenanker auch dafür verwenden.  Ein Anwendungsbeispiel für Bodenanker ist dabei der sogenannte “Circle of Excellence”. Dabei versetzt du dich gedanklich in einen Zustand, in dem du viele der Ressourcen zur Verfügung hattest, die für deine anstehende Präsentation hilfreich sind und koppelst sie mit einem vorgestellten farbigen Kreis. Dann trittst du in diesen hinein. Beispielsweise könntest du dich also möglichst intensiv an Situationen erinnern, in denen du besonders schlagfertig, reaktionsschnell, kompetent und aufmerksam warst und einen farbigen Kreis an den Punkt imaginieren, an dem du während deines Vortrages Fragen beantworten und Einwände behandeln willst. Gehe mehrmals in diesen Kreis, während dir die entsprechenden Gefühle möglichst stark zugänglich sind. Eine ausführlichere Anleitung findest du hier.

Zeit, den Anker zu werfen

Bodenanker können natürlich noch viele andere Funktionen übernehmen. Beispielsweise kannst du in einem Vortrag unvereinbare Positionen an jeweils unterschiedlichen Orten vertreten, also ankern, und dann an einem dritten Ort einen Kompromiss anbieten. Wichtig ist, dass du dabei präzise bist. Außerdem solltest du deine Anker auf die jeweilige Situation abstimmen. Nicht in jedem Fall ist beispielsweise ein “lässiges Absetzen” auf einem Tisch, wie ich es oben beschreibe, eine akzeptable Haltung bei einer Präsentation. Auch musst du dich möglicherweise mit den Räumlichkeiten vor Ort arrangieren oder hast keine lange Vorbereitungszeit, um dir geeignete Punkte im Raum zu überlegen. Fast immer gibt es aber eine Möglichkeit, das Konzept der Bodenanker einzusetzen.

Ich bin gespannt, welche Erfahrungen du mit Bodenankern gesammelt hast und freu mich über weitere Anregungen.

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