Headspace: die Meditations-App im TestLesedauer 3 Min.

Die App Headspace verspricht, dass man mit ihr Meditation im Selbststudium ganz einfach lernen kann. Klingt traumhaft: Jeden Tag ein paar Minuten mit der App spielen und schon bald kann man meditieren. Aber kann es wirklich so einfach sein? Hier meine persönlichen Erfahrungen nach einem ausführlichen Test über mehrere Monate.

Kostenloser Einstieg, kostenpflichtige Nutzung

Die schlechte Nachricht zuerst: Egal, ob du die App mit einem Android- oder Apple-Smartphone nutzen möchtest, Headspace ist nach einem Testzeitraum kostenpflichtig. Du hast dabei (Stand Juli 2019) drei Möglichkeiten:

  • Abo für ein Jahr: 71,88 € (entspricht 5,99 € im Monat)
  • Monatlich kündbares Abo: 9,99 € pro Monat
  • Lebenslange Nutzung: Inzwischen nicht mehr erhältlich

Immerhin kann man die App erst einmal ausprobieren und weiß dann, worauf man sich einlässt. Klar aber auch, dass die Latte für mich bei der Bewertung der App dadurch umso höher liegt.

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Headspace: Die Inhalte

Die verschiedenen Kurse und Meditationen gibt es in deutscher, englischer und französischer Sprache. Ich persönlich bevorzuge Englisch, und wer im geschäftlichen Alltag mit der Sprache zurecht kommt, wird keine Probleme haben, den Anleitungen zu folgen.

Die App empfiehlt, mit einem 30-Tage-Programm einzusteigen. Danach kann man sich dann mit weiteren geführten Meditationskursen, zum Beispiel zu Themen wie Akzeptanz, Motivation, Schlaf und vielem mehr beschäftigen. Die Auswahl der Themen ist wirklich groß, was mir gefällt. Ein Kurs besteht aus ca. 10 Einheiten. Kleine Videos vor Beginn der eigentlichen Meditation liefern Informationen und Hintergründe.

Bei den einzelnen Lektionen kann man dann jedes Mal wählen, wie lange die jeweilige Einheit dauern soll. Meistens liegt der Zeitraum zwischen 5 und 20 Minuten. Praktisch, wenn man an einem Tag etwas weniger Zeit hat, aber auf seine Meditation nicht verzichten will. Außerdem gibt es neben den Kursen noch einzelne Einheiten, die beispielsweise beim Einschlafen oder bei einer kurzen Entspannung helfen sollen.

Die Stimmen der Sprecher sind bei solchen Meditationen natürlich immer Geschmackssache. Mir persönlich gefallen die Kurse bisher sehr gut, bei einzelnen Einheiten, zum Beispiel geführten Schlafmeditationen, finde ich das Ergebnis etwas durchwachsen. Aber wie gesagt: Geschmackssache.
Nettes Feature: Wenn man möchte, erhält man von der App täglich Erinnerungen oder kurze Vorschläge für Achtsamkeitsübungen im Alltag, die nur wenige Sekunden bzw. Atemzüge dauern. Ein guter Weg, um seine Meditationspraxis stärker im Alltag zu verankern und regelmäßig zu üben.

Headspace: Der Test

Meine bisherigen Erfahrungen:

  1. Die App senkt die Einstiegshürde und macht es einfach, sich mit dem Thema Meditation und Achsamkeit zu beschäftigen und erste Schritte zu machen. Außerdem motiviert sie, täglich zu üben.
  2. Bei täglichem Üben werden wohl die meisten Nutzer positive Effekte, zum Beispiel größere Ausgeglichenheit, weniger Stress, tiefere Entspannung usw. bemerken. Wie bei fast allen Dingen im Leben, gilt aber auch hier: Geduld heißt das Zauberwort. Und eine Wunderheilung sollte man von einer App nicht erwarten. Das gilt insbesondere dann, wenn man bereits in einer Depression steckt, von einem Burn-out betroffen ist o. ä. Dann führt an professioneller Hilfe kein Weg vorbei. Es gibt sogar Hinweise darauf, dass eine solche Form der unbegleiteten Selbsttherapie psychische Erkrankungen noch verschlimmern kann.
  3. Headspace ist sehr sympathisch und spielerisch gemacht. Wem das ganze Thema Meditation etwas “esoterisch” vorkommt, findet hier einen pragmatischen Einstieg.
  4. Die App ist sicher auch eine gute Ergänzung, wenn man bereits erste Erfahrung mit Meditation gesammelt hat. Ansonsten fand ich den Austausch mit anderen Schülern und die persönliche Anleitung durch einen Lehrer gerade am Anfang aber sehr wichtig. Das kann auch eine gut gemachte App wie Headspace nicht ersetzen.
  5. Persönlich finde ich Headspace eine angenehme Abwechslung innerhalb meiner eigenen Praxis und es ist auch schön, sich bei der Meditation sozusagen “an die Hand nehmen zu lassen”.
  6. Das ist aber gleichzeitig auch ein grundsätzlicher Nachteil dieses Systems: Aus meiner Sicht ist es ein wichtiger Bestandteil der Meditation, in die Stille abzutauchen und sich von Musik, Sprechern usw. letztlich frei zu machen. Das ist natürlich nicht im Interesse der Anbieter von Apps wie Headspace … Hierzu ein Update (Juli 2019): Bei Headspace gibt es auch sog. „Pro-Kurse“. Hier werden die Anweisungen deutlich zurückgefahren, was einer klassischen stillen Meditation wie beispielsweise im Zen deutlich näherkommt. Es fragt sich aber dann natürlich doch, wofür man dann noch die App benötigt.

Fazit: Für eine App erstaunlich vielseitig und gut

Mein persönliches Fazit: Ich bin insgesamt positiv überrascht. Headspace ist eine wirklich sehr gut und liebevoll gemachte App. Das hat natürlich auch seinen Preis. Grundsätzlich würde ich zwar, gerade als Anfänger, auf jeden Fall einen Kurs besuchen, um die Praxis der Meditation zu erlernen.  Als Ergänzung oder zum ersten “Hineinschmecken” ist Headspace aber sicher eine Kaufempfehlung. Die Internetseite von Headspace findest du übrigens hier: https://www.headspace.com/

Zum Schluss noch ein kleiner Buchtipp für alle, die sich für das Thema Achtsamkeit und Meditation interessieren: Gesund durch Meditation von Jon Kabat-Zinn, dem Entwickler der Mindfulness-Based Stress Reduction, kurz: MBSR (der Link führt dich auf das Angebot von Amazon). Diese Methode beruht auf Ideen aus Yoga, Achtsamtkeit und Meditation. Sie ist inzwischen auch in der Arbeitswelt sehr bekannt und populär. In vielen Städten gibt es Lehrer, die mehrwöchige MBSR-Kurse anbieten.

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