Anschlag in Hanau: ein brauner Haufen KommunikationLesedauer 2 Min.

In diesem Blog geht es ja seltener um aktuelle Ereignisse, sondern meistens um Kommunikation und eher “zeitlose” Themen. Aber der Anschlag in Hanau hat mich beschäftigt, bzw. die Reaktionen von rechts.

Einerseits erwartbar …

Wenn man Alexander Gauland und anderen Vertretern aus dem rechten Lager – Leserkommentare auf Welt Online bieten hier zum Beispiel einen reichen Fundus – zu den Morden in Hanau zugehört hat, waren zwei Argumente auffällig:

  1. Der Täter hatte sich schon radikalisiert, als es die AfD noch gar nicht gab. Damit ist klar, dass die Partei und ihre Anhänger auch nichts damit zu tun haben können.
  2. Die Tat wurde von einem verwirrten, geisteskranken Einzeltäter ohne politische Absicht begangen. Somit hat der Anschlag nichts Politik und erst recht nichts mit rechtsextremen Positionen zu tun. Es war, wie Gauland bezeichnenderweise sagte “ein Verbrechen” und er wolle da nicht von rechts oder links sprechen.
    Lieber wirft man beispielsweise schnell die Frage auf, wie ein psychisch erkrankter Mensch legal an eine Waffe gelangt ist. Und, oh Wunder, sofort kann man gegen die angeblichen Defizite unserer Demokratie agitieren. Schuld sind, natürlich, die etablieren Parteien und der zusammenbrechende Rechtsstaat, der seine Bürger nicht schützen kann. Die Stigmatisierung psychisch kranker Menschen gibt es dann oft noch als Gratiszugabe.

Wie gesagt, soweit eigentlich recht erwartbar, aber trotzdem wert, ein wenig darüber nachzudenken.

Andererseits entlarvend …

Mir gehen – zugegeben etwas plakative – Bilder durch den Kopf, wenn ich mich mit den beiden Punkten beschäftige:

  1. Warum hat der Täter jetzt zugeschlagen und nicht schon vor zehn Jahren? Man wird sicher noch die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten müssen. Aber ein Streichholz wird, bildlich gesprochen, in einem Vakuum nicht brennen. Der “kommunikative Sauerstoff” von Rassismus und Fremdenfeindlichkeit, der für die “Entzündung” dieses und anderer Täter gesorgt hat, hat sich in den letzten Jahren – auch und besonders wegen AfD, PEGIDA usw. – kräftig ausgebreitet. Die sozialen Medien als Kanäle sind dabei ein erstklassiger kommunikativer “Ventilator”.
  2. Offen rassistische Positionen sind schon beinahe zur Normalität geworden. Robert Habeck würde wahrscheinlich etwas akademischer sagen: “Der gesellschaftliche Diskurs hat sich bedrohlich nach rechts verlagert.” Dazu haben leider auch einige Vertreter der Volksparteien und der Medien – Stichwort “Asyltourismus”, Definition von Flüchtlingen als “Welle” oder “Flut” usw. – beigetragen.
    Wenn jemand also einen schönen, dicken, braunen “Kommunikationshaufen” in eine Raumecke setzt, werden sich anfangs alle über den Gestank beschweren. Nach einiger Zeit gewöhnt man sich aber an den Geruch, er wird zur Normalität. Und manch einer merkt auch nicht mehr, dass er hineingetreten ist und beim Gehen durch den Raum die Scheiße unabsichtlich verteilt.
    Anders gesagt: Rassistisch wird es nicht erst, wenn man von “Umvolkung” spricht und mit der Reichskriegsflagge wedelt, sondern schon deutlich früher.

Genau das darf uns in Deutschland nicht (wieder) passieren. Hier hilft nur: wach bleiben, für eine offene Gesellschaft einstehen und die Demokratie gegen ihre Feinde verteidigen. Und, um auch das klarzustellen: Die Zahlen sprechen eindeutig dafür, dass diese Feinde überwiegend von rechts kommen.

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