Wenn ich noch einmal “Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas” höre …Lesedauer 2 Min.

Corona-Krise Brennglas

Ein Kind kommt mit einem sehr schlechten Zeugnis nach Hause. Von den erzürnten Eltern zur Rede gestellt, schweigt es einen langen Augenblick, sieht seinen Eltern dann tief und ernsthaft in die Augen und sagt: “Mutter, Vater, Ihr müsst wissen: Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas …”

Brennglas Corona

  • Wir haben die Digitalisierung der Schulen verschlafen und Kinder aus einkommensschwachen Familien werden abgehängt?
    Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas.
  • Wir haben unzählige Fleischskandale vergessen, vergaste und geschredderte Küken und auch die Ausbeutung der Niedriglöhner aus Osteuropa auf den Schlachthöfen?
    Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas.
  • Die Arbeiter, die unsere Billigklamotten in Bangladesch produzieren, stehen vor dem Nichts?
    Die Corona-Krise  wirkt wie ein Brennglas.
  • Frauen werden mit der Kindererziehung allein gelassen?
    Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas.
  • In Afrika drohen Hungersnöte?
    Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas.
  • People of Color werden diskriminiert, z. B. hinsichtlich Bildung, Gesundheitsversorgung, Ernährung usw.?
    Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas.
  • Pflegekräfte sind unterbezahlt und Altersarmut droht?
    Die Corona-Krise wirkt wie ein Brennglas.

Fällt dir was auf?

Die Gegenthese

Ich hätte mal eine Gegenthese: Die Corona-Krise wirkt auf mich wie eine Ausrede – und zwar eine ziemlich faule.

Eher sollten wir sie als Ohrfeige verstehen. Für Politiker und Bürger. Für Unternehmer und Konsumenten.

Denn ganz egal ob man in den letzten Jahren BILD, FAZ oder das Manager Magazin gelesen hat: Diese Missstände waren uns allen sattsam bekannt. Seit Jahren. Zum Teil seit Jahrzehnten.

Nur gemacht haben wir: nichts.

Lieber:

Klick ruhig. Ich bin bloß Werbung :-)
  • Augen zu – und Grill an.
  • Einkaufstüte voll – und Gewissen aus.
  • Moral raus – und Dividende rein.

Politiker und Unternehmer unter dem Brennglas

Stichwort Kommunikation: Es ist im Moment zu einer äußerst durchschaubaren Taktik geworden, das Bild des “Brennglases” zu bemühen.

Achte mal darauf: Wenn ein Politiker oder Unternehmer (gilt natürlich auch für die Damenwelt, z. B. Bundeslandwirtschaftsministerin Klöckner) einen Vorwurf bekommt, dass in der Vergangenheit zu wenig passiert ist, um einen Missstand zu beheben, schaut der Kritisierte staatsmännisch in die Kamera, nickt zustimmend und sagt dann (als ob das Ganze nichts mit ihm zu tun hätte): “Die Corona-Krise wirkt hier wie ein Brennglas …”

Mit anderen Worten: Niemand ist verantwortlich, vor allem der Kritisierte selbst nicht. Denn erst als das Brennglas Corona auf den Plan trat, wurden die Missstände (zum Glück) so klar erkennbar. Vorher war leider nichts zu machen.

Das ist, siehe oben, natürlich barer Unsinn.

Und jetzt?

Was bleibt also? Wir sollten aufmerksam sein, was passiert, wenn das Brennglas Corona wieder verschwindet.

Gilt dann der alte Spruch: Aus den Augen, aus dem Sinn?

Oder ändert sich dieses Mal wirklich nachhaltig etwas?

Ich bin alles andere als optimistisch, aber gespannt.

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