Drei Mythen zum Burn-outLesedauer 2 Min.

Der Begriff Burn-out ist beinahe allgegenwärtig. Google liefert über 15 Millionen Ergebnisse. Zeitschriften wie Spiegel oder Focus berichten regelmäßig über die Erkrankung. Und sicherlich kennen die meisten von euch Fälle im Familien-, Bekannten- oder Kollegenkreis. Mehr oder weniger seriöse Artikel und Studien, sowie Selbsttests  gibt es in fast unüberschaubarer Zahl.

Bis zu 13 Millionen Arbeitnehmer in Deutschland sind nach Schätzungen von Gesundheitsexperten und Krankenkassen von Burn-out betroffen. Das Münchener Institut für lösungsorientiertes Denken hat weitere interessante Zahlen zum Thema zusammengetragen. Besonders Jobs, bei denen Emotionsarbeit gefragt ist, sind für den Burn-out prädestiniert.

Aber trotz der Vielzahl an Berichten kursieren noch eine Menge Vorurteile, Vermutungen und Halbwahrheiten zum Thema. In diesem kurzen Artikel findest du einige dieser Mythen und die entsprechende Richtigstellung.

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Mythos 1: Der Begriff des ist noch relativ neu und kommt aus dem Bereich des Managements.

Beides falsch. Der Begriff wird erstmal in den 1970er Jahren vom Psychotherapeuten Herbert Freudenberger verwendet (hier ein Abstract seines Artikels “Staff Burn-Out” im Journal of Social Issues aus dem Jahr 1974). Er ist also über 40 Jahre alt. Freudenberger beschrieb damit einen Zustand, den er bei Beschäftigten in sozialen Berufen beobachtete. Charakteristisch war er für Personen, die sich in ihrer Arbeit zu sehr engagiert hatten. Sie berichteten u. a. von Müdigkeit, Überforderung, Lustlosigkeit und körperlichen Problemen berichteten.

Interessanterweise ist der Begriff des Boreouts, also eines ähnlichen Krankheitsbildes, das aber durch Unterforderung eintritt, in diesem frühen Artikel von Freudenberger schon beschrieben: “Another condition for burn-out in us is the boredom, the routinization of the job we perform.”

Mythos 2: Es gibt klare Kriterien, an denen man einen Burn-out festmachen kann.

Auch das ist aus nicht richtig.

  1. Definition und Symptome: Es gibt bis heute keine einheitliche Definition, was unter einem Burn-out zu verstehen ist. Laut der Deutschen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde wurden beispielsweise schon bis zu 160 verschiedene Einzelsymptome publiziert, die mit der Erkrankung in Zusammenhang stehen sollen. Dort finden sich so gegensätzliche Zustände wie Aggression und Depression oder Hyperaktivität und Erschöpfung.
  2. Diagnose: Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI)  gelangt nach einer Analyse von mehr als 852 Publikationen zu dem Ergebnis, dass es bisher kein standardisiertes und allgemeingültiges Vorgehen gibt, um eine Burn-out-Erkrankung sauber zu diagnostizieren. Besonders die sog. “Cutoff-Werte” der existierenden Tests, die bei einer Untersuchung zwischen dem Vorliegen oder Nichtvorliegen einer Erkrankung unterscheiden, halten wissenschaftlichen Standards nicht stand.

Mythos 3: Man kann vom Arzt eine Burn-out-Diagnose bekommen.

Ebenfalls nicht richtig. Ärzte erstellen ihre Diagnosen auf Basis des Internationalen statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (kurz: ICD), der in seiner aktuellen Version ICD-10 von der Weltgesundheitsorganisation WHO herausgegeben wird.

Dort existiert Burn-out nicht als Diagnose. Wie die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde
(DGPPN) 2012 in einem Positionspapier ausführt: “Erschöpfungsgefühle und andere gesundheitliche Burn-out-Beschwerden, die zusammen mit einem überdauernden Gefühl der Überforderung durch Arbeit auftreten, bedeuten noch nicht das Vorliegen einer Krankheit nach der ICD-10.”

Allerdings besteht für einen Arzt die Möglichkeit, in einer sog. Anhangsziffer einen Burn-out als Ergänzung zur eigentlichen Diagnose, wie zum Beispiel Depression, zu vermerken. In der Restkategorie „Z 73, Probleme verbunden mit Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“ findet sich „Erschöpfungssyndrom (Burn-out-Syndrom)“.

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