Drei Minuten mit Richard Bandler (Teil 3)Lesedauer 3 Min.

Hier der dritte Teil und letzte Teil meiner Analyse eines kurzen Videoausschnitts einer meisterhaften Therapie-Sitzung von Richard Bandler.  Den ersten Teil des Artikels findest du hier. Den zweiten Teil hier. Das Video findet sich auf Youtube.

 

Die Analyse – Teil 1

Transkript (ab 1:58)

Richard:  So first I, I do … is it a panoramic thing? Do you have borders on your screen?
Susan:  No, it’s just more like a zoom in, I guess.
Richard: A zoom in. So there are no edges on your picture, then?
Susan:  No.
Richard: Then, do you actually move closer to it? Inside. When you make the pictures … in your head?
Susan: I’m trying to think. Yes, I do.
Richard: Well, this a (unverständlich) test, you know? You do, see, actually zoom in. How close do you get? Right up to their face, then? Do you do that with the wreck?
Susan: Probably only as close to them as I would be like if they were injured and I was someone treating them or helping them.
Richard: That’s pretty close.
Susan: Yeah.

Analyse

Auch hier passiert wieder in wenigen Sekunden eine ganze Menge.

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Bevor wir einsteigen, kurz angemerkt: Schade, dass man Richard Bandler nur sehr selten sehen kann. An einigen Stellen klingt seine Stimme, als ob er seine Sitzposition bzw. Sprechrichtung geändert hat (“Inside”). Milton Erickson hat das oft genutzt, wenn er mit dem Bewusstsein bzw. dem Unterbewusstsein eines Patienten kommunizieren bzw. eine Suggestion geben wollte. In diesem Sinn ist “Inside!” eine Suggestion im Sinne von “Geh nach innen und probiere es aus”.

Aber zurück zum Anfang der Sequenz.

Bandler prüft weitere Submodalitäten. Das wird für die abschließende Intervention, bei der die Submodalitäten zur Änderung des Erlebens genutzt werden, wichtig. Bandler hat diese Intervention auch die “Swish-Technik” genannt, eine genauere Erläuterung hier.

Bandler spricht zuerst von “panoramic”, bietet ihr dann aber sofort die Alternative an (“borders”). Außerdem spricht er in der Metapher eines Bildschirms. Das ist aus mehreren Gründen auch eine hilfreiche Suggestion:

  • Die Submodalitäten lassen sich in dieser Metapher sehr gut abfragen
  • An einem Fernseher kann man Bild und Ton verändern, d. h. man hat Kontrolle über die Bilder
  • Die Metapher schafft eine Dissoziation im Sinn von “das ist doch nur Fernsehen” bzw. “das ist nur in deinem Kopf, nicht die Realität”

Susan greift die Metapher auf und entwickelt sie weiter. Sie “zoomt” offensichtlich näher an das Bild heran – und damit verstärken sich die Gefühle der Panik. Im Buch “Magic in Action” spricht Bandler davon, dass Susan bereits ganz am Anfang der Sitzung gesagt hatte, es gäbe Dinge, von denen Sie gerne mehr Abstand hätte. Damit hätte sie die erfolgsversprechende Intervention, also das Wegschieben der Panik erzeugenden Bilder durch einen Swish, praktisch schon im ersten Satz “verraten”.

Seine Reaktion “That’s pretty close” wirkt zum einen empathisch und verstärkt den Rapport. Zum anderen will er Susan vermutlich auch weiter das Gefühl geben, dass er, wie am Anfang angekündigt, dabei ist ihren Job, d. h. das Entwickeln der Panik, zu übernehmen.

Außerdem nutzt Bandler auch in diesem Abschnitt wieder Humor, z. B. mit der Metapher des Tests, oder indem er mit geheimnisvoller Stimme “a zoom in” wiederholt. Das nur nebenbei: Obwohl er zielstrebig an seiner Intervention arbeitet, das Thema für Susan sicher nicht einfach ist und sich die beiden praktisch nicht kennen, bringt er seine Klientin innerhalb weniger Minuten mehrmals dazu, herzlich zu lachen. Mit “zoom in” ankert er vermutlich auch schon die entscheidende Submodalität, mit der er später die Swish-Technik durchführt.

Arbeit ohne Inhalte

Außerdem auffällig: Bandler lässt sich nie auf eine längere Diskussion der Inhalte von Susans Bildern ein noch bietet er Interpretation an, z. B. “vielleicht hatten Sie ja selbst einmal einen schweren Unfall”. Dieses weitgehend inhaltsfreie und auf Methoden konzentrierte Vorgehen ist recht typisch für das NLP – und natürlich in der Community der Therapeuten absolut umstritten. Vorwürfe wie “nicht empathisch”, “zu technisch”, “keine Tiefe” entkräftet Bandler in diesem Video aber, wie ich finde, recht eindrucksvoll. Bandler hat, wenn ich mich recht erinnere, auch einmal auf die Gefahr hingewiesen, dass der Fokus auf Inhalte inkl. Interpretationen und Diskussion derselben mit dem Klienten dazu führen kann, dass man sein Ziel aus den Augen verliert.

Und so geht’s weiter

Eines sei noch allen verraten, die das Buch bzw. das ganze Video nicht kennen: Nach der Intervention schickt Bandler Susan weg und verspricht, in ein paar Minuten nachzukommen. Als er sich absichtlich verspätet, entwickelt Susan keine Panikreaktion mehr.

So viel zur detaillierten Analyse dieses kurzen Videos mit Richard Bandler.

Hier noch die Links zum Buch (englisch/deutsch) bei Amazon :

Vermutlich gibt es eine Menge Dinge, die ich übersehen habe. In diesem Sinne: Wenn du noch weitere Anregungen hast, schreibe gerne einen Kommentar.

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