Selbstständig machen? So besiegst du deine ÄngsteLesedauer 5 Min.

Soll ich, oder soll ich nicht? Du denkst schon lange darüber nach, dich selbst selbstständig zu machen, aber eine Stimme in deinem Kopf hält dich zurück?

  • “Was kann ich schon, wofür andere Geld bezahlen würden?”
  • “Wer hat schon auf mich gewartet?”
  • “Das ist viel zu kompliziert.”
  • “Wenn das schiefgeht, bin ich pleite.”
  • “Das ist doch viel zu unsicher.”
  • “Ich weiß doch gar nicht, wie das geht.”
  • “Wo sollte ich überhaupt anfangen?”

Die Liste könnte man wohl noch beliebig fortsetzen. Wenn dich die lähmende Angst vor der Selbstständigkeit vom ersten Schritt abhält, solltest du diesen Artikel lesen.

Ich gebe dir wertvolle Tipps, wie du diese Ängste besiegst, und schildere dir konkrete Beispiele aus meinem eigenen Start ins selbstbestimmte Arbeiten sowie Erfahrungen aus meiner nun schon mehr als dreijährigen Selbstständigkeit.

Angst vor der Selbstständigkeit 1: Ich will hier weg, aber kann nicht

Viele von uns denken in Zeiten der Krise über eine Selbstständigkeit nach. Ein Job, der sich abgenutzt hat, Ärger mit Vorgesetzten, mangelnde Entscheidungsspielräume, Arbeit im anonymen Großraumbüro usw. Das Problem: In so einem Zustand mangelt es oft am nötigen Selbstvertrauen und der Fähigkeit, mutig neuen Weg einzuschlagen. Da bleibt man lieber im alten Job, bis man krank wird.

Der Tipp für Dich:

Stelle dir vor, du bist seit einem Jahr selbstständig und es beginnt, zu laufen. Was wären die Momente, in denen du dich richtig gefeiert hast und merkst: Das war die beste Entscheidung meines Lebens.
Einige Beispiele aus meiner eigenen Selbstständigkeit:

  • Ich erhalte meinen Gewerbeschein und meine Umsatzsteuer-ID vom Finanzamt. Bürokratie? Nein, ich habe mich erfolgreich durch den Papierkram gekämpft und bin jetzt offiziell ein Unternehmer!
  • Ich erhalte meinen ersten Auftrag. Gegen die Konkurrenz habe ich mich erfolgreich durchgesetzt.
  • Ich erhalte meinen ersten Folgeauftrag. Die Kunden sind mit meiner Arbeit so zufrieden, dass sie mich weiter engagieren wollen.
  • Ich stelle meine erste Rechnung. Vorher hatte ich keine Ahnung von Buchhaltung, jetzt manage ich mein eigenes Business.
  • Das erste Geld geht ein. Es ist wahr, ich verdiene mit meiner Selbstständigkeit Geld.
  • Ich verhandle mit meinem Kunden und erhöhe die Preise. Ich habe mehr Aufträge als ich bearbeiten kann. Trotz der Preiserhöhung gewinne ich einen neuen Kunden. (Wenn dich das Thema Verhandlungstechniken interessiert, findest du hier eine dreiteilige Serie von mir mit praktischen Tipps und Kniffen.)
  • Ich lehne einen Auftrag ab. Das fällt mir verdammt schwer, denn wer weiß, was die Zukunft bringt. Aber ich vertraue auf meine Fähigkeiten.
  • Ich verliere den ersten Kunden. Und es passiert … nichts. Nach kurzer Zeit finde ich neue Kunden und es geht weiter.
  • Ich probiere neue Geschäftsideen aus – und es geht grandios schief. Schlimm? Nein. Ich habe eine Menge dabei gelernt. Einiges davon kann ich in mein bestehendes Geschäft einbauen und mich dort weiter verbessern.

Angst vor der Selbstständigkeit 2: Was kann ich schon?

Eine häufige Angst vor der Selbstständigkeit hängt mit der Frage zusammen, womit man überhaupt sein Geld verdienen soll.

Klick ruhig. Ich bin bloß Werbung :-)

Die Tipps für dich:

  1. Mach dir glasklar, dass nicht jeder erfolgreiche Selbstständige Elon Musk, Bill Gates oder Steve Jobs heißt. Es gibt immer noch jemanden, der schlauer, begabter, erfahrener und innovativer ist als du. Das macht aber rein gar nichts, denn du willst dich ja nur selbstständig machen und nicht Apple 2 gründen und Milliardär werden. Wenn es denn doch passiert, ist aber natürlich auch nichts dagegen einzuwenden …
  2. Betrachte deine bisherige Berufserfahrung einmal anders. Du machst seit X Jahren einen bestimmten Job. Du hast die Aus- und Weiterbildungen XYZ. Das bedeutet: Du bist Experte. Und du bist ganz sicher, dass dich dafür niemand als Freelancer bezahlen will? Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir einige Aufgaben, die ich als Angestellter ziemlich über hatte, als Selbstständiger plötzlich wieder Spaß machen. Lies hierzu auch meinen Artikel Work-Life-Balance: Der Mythos der Waage.
  3. Versteck dich nicht in Fortbildungen. Natürlich ist es sinnvoll, noch fehlende Kompetenzen aufzubauen. Aber wie oft höre ich: “Ohne die X-jährige Ausbildung zum Y kann ich das gleich vergessen.” Fang lieber eine Nummer kleiner an. Aber: Fang jetzt an.

Ich bin zum Beispiel selbst kein ausgebildeter Übersetzer oder Dolmetscher – und verdiene trotzdem gutes Geld. Auch habe ich nie in einer Werbeagentur gearbeitet oder bin gelernter Lektor – und trotzdem bin ich als Texter erfolgreich.

Angst vor der Selbstständigkeit 3: Das liebe Geld

Machen wir uns nichts vor: Wenn jeder von uns einen reichen Gönner oder ein dickes finanzielles Polster im Hintergrund hätte, sodass wir im Notfall weich fallen, würden wohl viele von uns nicht mehr jeden Tag ins Büro gehen.

Gleichzeitig bedeutet der Schritt in die Selbstständigkeit häufig gerade in der Anfangszeit finanzielle Investitionen, Einbußen beim Lebensstil und ein unsicheres Einkommen. Als ich begann, mich als Texter, Übersetzer und Trainer selbstständig zu machen, sah mein Stundenlohn im Vergleich zu meinen früheren Konzerngehältern eher bescheiden aus. Auch muss ich nun öfter mal am Wochenende arbeiten. Und als der erste Kunde wegen einer Insolvenz wegbrach, spürte ich die Angst im Genick. Was also tun?

Die Tipps für dich:

  1. Mach dir klar, was dir deine neu gewonnene Freiheit wert ist. Mich stressen z. B. lange Arbeitstage in meiner Selbstständigkeit deutlich weniger als in meinem Job als Angestellter und ich habe abends und am Wochenende noch Energie für Sport oder, um Freunde zu treffen.
    Auch das Thema Urlaub ist in dem Zusammenhang spannend. Im Jahr meines Starts gab es beispielsweise keine Fernreise – in den Jahren davor ein wichtiges Ziel, auf das ich das ganze Jahr mit hängender Zunge hingesteuert war. Aber Überraschung: Ich fühlte mich wesentlich weniger urlaubsreif als die Jahre zuvor. Überhaupt: Dieses Gefühl “Wenn ich jetzt nicht bald endlich zwei Wochen Urlaub habe, dann …” existiert eigentlich nicht mehr.
  2. Bereite dich gründlich vor und überprüfe deine Finanzen. Wie viel Geld brauchst du im Monat wirklich? Worauf kannst du (wenigstens zeitweise) verzichten? Wie lange kommst du mit geringen oder keinen Einnahmen über die Runden? Vergiss nicht: Es geht darum, deinen Traum zu verwirklichen.
    Bist du beispielsweise bereit, ein Jahr lang nicht in Urlaub zu fahren, auf ein neues Auto zu verzichten oder nur die Hälfte deiner Urlaubstage zur Erholung zu nutzen?
  3. Gehe Schritt für Schritt vor. In vielen Unternehmen kannst du in Teilzeit gehen und dir eine Nebentätigkeit genehmigen lassen. Das sichert dir ein Grundeinkommen und lässt dir Spielraum für den Aufbau deiner neuen Selbstständigkeit. Wenn es nicht klappt, kehrst du eben wieder in deinen Vollzeitjob zurück. Als ich selbst gestartet bin, habe ich genau das getan. Mein Arbeitgeber genehmigte freundlicherweise meinen Übergang in Teilzeit und meine Nebentätigkeit und ich plante so, dass mir dieses Gehalt wenigstens die Miete sichert. Das nahm gerade zu Beginn meiner Selbstständigkeit eine Menge Druck aus dem Kessel.
  4. Mache dir klar, dass du dich um viele finanzielle Themen in Zukunft mehr kümmern musst, z. B. um deine Altersvorsorge. Auch wirst du dich mit Themen wie deiner Krankenversicherung auseinandersetzen müssen. Darin können aber auch gewaltige finanzielle Chance stecken.

Angst vor der Selbstständigkeit 4: Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll

Die häufige Konsequenz: Man fängt gar nicht erst an oder lässt sich schon vom ersten Rückschlag aus der Bahn werfen. Keine Frage, wenn man sich selbstständig macht, steht man einer Menge Fragen gegenüber. Wie gewinne ich Kunden? Welche Honorare sind möglich? Wie melde ich ein Gewerbe an? Was muss ich beim Thema Steuern beachten? Welche Geschäftsausstattung brauche ich? Was kostet der Steuerberater? Wie viel meiner Einnahmen muss ich für das Finanzamt auf die Seite legen? Usw.

Hier meine Tipps für dich:

  1. Du bist nicht allein. Beinahe jede Frage, die du hast, hatte schon jemand anderes auf dem Planeten. Mit deinem aktuellen Problem hatten schon andere Leute auf dem Weg in die Selbstständigkeit zu finden. Es ist nicht die Frage, ob es eine Lösung gibt, sondern nur, wo du sie findest. Anders gesagt: Google ist dein Freund.
  2. Lerne am Modell. Irgendwo in deinem Bekanntenkreis gibt es einen erfolgreichen Selbstständigen. Die meisten sind stolz, von ihren Erfahrungen und Erfolgen zu erzählen. Sprich mit Ihnen. Auch im Internet gibt es jede Menge motivierende Erfahrungsberichte. Ein gutes Beispiel findest du hier: https://www.selbstaendig-im-netz.de/
  3. Genieße deine Selbstwirksamkeit: Halte jedes Mal, wenn du ein Problem gelöst hast, das dir gerade noch fast unüberwindlich erschien, inne und genieße den Erfolg.

Ich werde diesen Artikel in loser Reihe fortsetzen und ergänzen. Teile ihn gern mit deinen Freunden, die auch über den Weg in die Selbstständigkeit nachdenken. Auch bin ich sehr gespannt, von deinen eigenen Erfahrungen (vielleicht auch Ängsten) zu hören und freue mich auf Kommentare.

 

Wie hat dir dieser Artikel gefallen?