Innovationen und Flops: Microsoft und das iPhoneLesedauer 2 Min.

Heute mal ein Klassiker zum Thema Innovationen und Flops. In diesem kurzen Video sieht man die Reaktion von Steve Ballmer, damals CEO von Microsoft, kurz nachdem Steve Jobs 2007 das erste iPhone präsentiert hatte:

500 US-Dollar und kein Keyboard? Das muss ja ein Flop werden.

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Zuletzt aktualisiert am 14. Dezember 2019 um 07:31 . Wir weisen darauf hin, dass sich hier angezeigte Preise inzwischen geändert haben können. Alle Angaben ohne Gewähr.

Innovationen und Flops: Vorher ist man immer dümmer – und hinterher meistens schlauer

Die Reaktion der meisten Leute, die das Video zum ersten Mal sehen, ist klar: Wie konnte der Mann so blind sein und diese Revolution übersehen? War doch klar, dass das iPhone den Markt revolutionieren würde. Hätten wir doch sofort gemerkt.

Oder vielleicht doch nicht? Es ist natürlich sehr verführerisch, mit den heute vorhandenen Informationen zu erklären, warum etwas (nicht) passieren musste. Und offenbar reicht uns nicht einmal das, um für die Zukunft bessere Entscheidungen zu treffen.

Ein Beispiel von vielen: Trotz Harrisburg, Sellafield, Tschernobyl, Fukushima und vielen anderen katastrophalen Unfällen in Atomkraftwerken, geht die Nutzung der Kernenergie weiter. Einige Staaten sehen in ihr – wenigstens übergangsweise – sogar die Lösung für das CO2-Problem. Ob kommende Generationen diese Entscheidung mit demselben Gesichtsausdruck quittieren werden, wie wir das obige Video von Steve Ballmer?

Flopraten in Unternehmen: Worüber nicht gern gesprochen wird

Die meisten von uns, die schon länger berufstätig sind, haben eine Menge Innovationen floppen sehen. Je nach Quelle schätzt man, dass die Flopraten von Produktneueinführungen irgendwo zwischen 70 und 95 Prozent liegen. Hier ein Artikel der Wirtschaftswoche zum Thema.

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So gesehen lag Steve Ballmer mit seiner Einschätzung, zumindest was die statistischen Wahrscheinlichkeiten von Innovationen und Flops angeht, ziemlich richtig. Na gut, möchte man sagen. Aber das war ja nicht irgendein Unternehmen, sondern Apple mit Steve Jobs an der Spitze.  Wer so denkt, sollte mal kurz an Lisa, Macintosh Portable, Newton oder Quicktake denken. Alles Innovationen von Apple, die grandios gefloppt sind. Die Süddeutsche Zeitung hat eine schöne Bildergalerie dieser Produkte zusammengestellt, die zum Teil vielleicht auch nur gescheitert sind, weil ihre Ideen ihrer Zeit voraus oder mit den technischen Mitteln noch nicht vernünftig umsetzbar waren.

Die Erfolge bleiben im Gedächtnis, der Rest ist meistens Schweigen

Auch sehr menschlich: An die großen Erfolge erinnert man sich, die Fehlschläge werden vergessen. In den meisten Unternehmen fehlt es auch an einer entsprechenden Fehlerkultur, wenn es um das Thema Flops und Innovationen geht. In beinahe jedem Projektmanagement-Seminar, das ich besucht habe, wird als wichtiger Baustein am Ende jedes Projekt ein “lessons learned” empfohlen. Gerade bei gescheiterten Projekten wäre es besonders wichtig, für die Zukunft zu lernen. Denn die Kosten sind nicht selten immens. Man denke beispielsweise an die vielen teilweise oder ganz gescheiterten Einführungen von SAP in großen Unternehmen wie Lidl, Haribo oder Otto.

In der Praxis findet man bei Innovationen und Flops dann aber eher folgende Reaktionen:

  • XYZ konnte man vorher nicht wissen.
  • Konzentrieren wir uns lieber auf die Zukunft und schauen nach vorn.
  • Wenn XYZ nicht passiert wäre, hätte es geklappt.
  • Projekt? Welches Projekt? Da war ich noch nicht im Haus.

Den Stein der Weisen gibt es nicht – aber eine innovationsfreundliche Unternehmenskultur

Unternehmens- und Innovationsberatungen, Marktforschungsinstitute, selbst ernannte Branchenexperten usw.: Eine ganze Industrie versucht, uns davon zu überzeugen, dass sich Innovationen sozusagen “produzieren” und Flops vermeiden lassen.  Mit Blick auf die obigen Zahlen ist eine gewisse Skepsis bei allzu euphorischen Versprechungen wohl angebracht. Aber natürlich kann es hilfreich sein, zur Sammlung von Informationen und zur Entscheidungsfindung externen Rat einzuholen, besonders wenn die Expertise im eigenen Unternehmen nicht im ausreichenden Umfang vorhanden ist.

Viel wichtiger wäre aber eine Unternehmens- bzw. Organisationskultur, die sich mit obigen Realitäten über Innovationen und Flops auseinandersetzt und die richtigen Schlüsse zieht:

  1. Wir brauchen erfolgreiche Innovationen, um langfristig erfolgreich zu sein.
  2. Wir akzeptieren, dass viele unserer Innovationen nicht erfolgreich sein werden. Davon lassen wir uns aber nicht entmutigen.
  3. Wir lernen auch und besonders aus unseren Misserfolgen und schweigen Flops nicht tot.  
  4. Mitarbeiter und Teams, die an Innovationen arbeiten, werden nicht für Erfolg oder Misserfolg des Projekts belohnt, sondern für Ihr Handeln innerhalb des Projekts. 
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